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Gewölbekeller

Erstaunlich für die Klosteranlage in Friedrichshafen erscheint der Gewölbekeller unter dem Kirchenschiff. Darunter spannt sich ein riesiges Gewölbe, das nicht als letzte Ruhestätte in Form einer Krypta für herausragende Persönlichkeiten diente, sondern bereits als Weinlager geplant und gebaut worden war. Der gewölbte Weinkeller ist mit einem offenen Kanalsystem, das bis zum See führt, ausgestattet. In diesen offenen Kanälen gelangte das Schichtwasser vom Nordhang, das Schmelzwasser des Eisraumes sowie "alter Wein" in den See. Ebenfalls diente dieser Kanal als unterirdischer Gang vom Weinlager zur Küche. Zusätzlich zu dem heute noch nutzbaren Nordeingang gab es eine schräge Rampe, die als Gang vom östlichen Klostergarten unter den Wirtschaftsgebäuden hindurch führte. Südwestlich vom Hauptportal der Kirche befand sich die Küferei. Hier war der Hauptzugang zum Gewölbekeller, die Fässer wurden mit Hilfe einer Rampe, flankiert von zwei Treppen, von der Küferei in das Weinlager gerollt. Wie lange das Gewölbe unter der Kirche als Weinlager diente, ist nicht genau bekannt. Doch spätestens mit den Umnutzungen der „alten" Küferei fiel der Zugang weg.

Im Zweiten Weltkrieg war das Gewölbe Luftschutzkeller für die Friedrichshafener. Dabei gab es eine gewisse Rangordnung bei der Einquartierung der Schutzsuchenden: Laut Zeitzeugenberichten wurden Kriegsgefangene im zum Eingang entferntesten Teil des Kellers einquartiert.

Teilweise sind sehr späte undatierte Abtrennungen und kleine Zellen eingebaut worden, die heute noch vorhanden sind. Nach Kriegsende diente der Keller den französischen Be-satzungskräfte als Lagerraum. In den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts diente der Keller nach mündlicher Überlieferung den Bauern der umliegenden Höfe auch als Apfellager.