Der Pfarrerssonntag

"Schönes Wochenende!" Wann kann man diesen Satz eigentlich zu den Pfarrern und Pfarrerinnen sagen? Denn am Wochenende ist in Kirche und Kirchengemeinde ja oft "Hoch-Zeit": Gottesdienst am Sonntag, Trauungen, Gemeindeveranstaltungen.
 
Und auch sonst: Pfarrer sind immer im Dienst - eine Bestattung halten, in der Schule unterrichten, Raum für die Kindergruppe organisieren, Andacht halten, die Gottesdienste dieser Woche vollends vorbereiten, Absprache mit den Kollegen in der Gesamtkirchengemeinde über eine anstehende Besprechung: eilt, Mails beantworten, Klassenarbeiten Klasse 3 korrigieren, eine Mitarbeiterin zurückrufen, Material für den nächsten Konfirmandenunterricht kaufen, mit Taufeltern sprechen, KGR-Sitzung nacharbeiten, die Konfirmandenfreizeit vorbereiten, Anrufbeantworter abhören, ein Geburtstagsbesuch, mit der Kirchenpflege telefonieren, ein Bedürftiger klingelt an der Haustür...


Darum gibt es eine wichtige und gute Einrichtung für Leib und Seele: den "Pfarrerssonntag", an dem Pfarrer/innen, den Tag als „Sonntag" leben dürfen, der aber an einem anderen Tag der Woche stattfindet, zB. montags, freitags oder samstags.
 
Hier in der Schlosskirchengemeinde Friedrichshafen ist die Regelung so:  Pfarrer Ulrich Lange ✝ (Schlosskirchengemeinde I) und  Pfarrerin Pamela Barke (Schlosskirchengemeinde II) machen den freien Tag, wo möglich, am SAMSTAG. 


Erreichbar für dringende Sorgen und Nöte sind die Pfarrer/innen an diesem „sonntäglichen" Tag natürlich dennoch, manchmal bedeutet es auch dennoch, am Schreibtisch zu sitzen. Aber: ein Tag ohne Termine, zur Regeneration an Leib und Seele, das ist sehr wichtig. Und manchmal wichtig auch zur Mithilfe im Haushalt, zur Organisation des täglichen Lebens, was an den anderen Tagen nicht selten weit im Hintergrund steht. Kleine Inseln der Regeneration braucht es jeden Tag, wie Mahlzeiten mit der Familie, oder eine Pause.
 
Genauso bedeutsam ist ein bewusstes kleines Zurücktreten vom Dienst nach außen an einem bestimmten, gemeinsamen Tag, der von allen gekannt und geschützt wird. Von der Familie, die damit weiß, wann Vater oder Mutter einmal länger zu erleben sind. Von den Kollegen und der Gemeinde, die den Tag mit „schützen". Dieses Kraftschöpfen gehört mit zum Pfarrdienst. Auch, um wieder voll für die Menschen da sein zu können, rund um die Uhr.